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Kirchheilingen: Prämie für Menschen, die aufs Dorf ziehen

(Bericht der Thüringer Allgemeinen vom 08.09.2018 von Klaus Wuggazer)

 

Katrin Göring-Eckardt, grüne Fraktionschefin im Bundestag, informiert sich in Kirchheilingen über Ideen für die Zukunft des ländlichen Raums.

Katrin Göring Eckardt in der „Landfactur“. Frank Baumgarten von der Stiftung Landleben erläuterte deren Konzept. Die Grünen-Chefin kaufte gleich ein – auch Wein aus Großvargula. Foto: Klaus Wuggazer
Katrin Göring Eckardt in der „Landfactur“. Frank Baumgarten von der Stiftung Landleben erläuterte deren Konzept. Die Grünen-Chefin kaufte gleich ein – auch Wein aus Großvargula. Foto: Klaus Wuggazer

Kirchheilingen. Statt der bloßen Bezuschussung von Agrarbetrieben könnte die EU über ihre Förderpolitik künftig Initiativen belohnen, die sich auch für die Entwicklung des ländlichen Raums engagieren. Das ist einer der Vorschläge, die Katrin-Göring Eckardt am Freitag bei ihrem Besuch in Kirchheilingen machte. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag schaut sich derzeit mit ihren Kollegen viel auf dem Land um.

In Kirchheilingen fand sie eine Kombination, die ihr vorschwebt: Die örtliche Agrargenossenschaft setzt mit ihrer Stiftung Landleben viele zukunftsweisende Ideen um: „Es ist sehr mutig, was Sie hier machen“, lobte Göring-Eckardt, die viel über Projekte wie den „Land­engel“, den „Dorfkümmerer“, altersgerechte Wohnungen und die Landfactur erfuhr.

 

Der Verein „Landengel“ organisiert unter anderem Fahrten für Senioren, etwa zu Ärzten, zu Treffen oder zum Einkaufen. „Wir haben fast 100 Mitglieder, darunter 17 Firmen“, sagte Christoph Kaufmann. Perspektivisch schwebe ihm die Gründung einer Genossenschaft vor, in der die Mitglieder für ihre Zukunft auf dem Land vorsorgen.

 

Auch Ideen wie eine Art Landambulatorium gehören zu dem Konzept – ein Raum, in dem etwa Ärzte oder Gesundheitsanbieter regelmäßig am Ort ihre Dienste zur Verfügung stellen. Der „Dorfkümmerer“, ein Projekt der Dorferneuerungsregion Seltenrain (wir berichteten), soll im November starten. Er werde wegen seines Pilot-Charakters sogar voll vom Land gefördert, sagte Stiftungschef Frank Baumgarten.

„Dorfkümmerer“ soll im November starten

Er soll in den Orten regelmäßig feste Sprechzeiten anbieten, die Bedürfnisse der Menschen anhören und dann entsprechende Angebote mit organisieren.

„Versorger und Verbraucher zusammenbringen, Netzwerke bilden“, egal ob es um Kultur, Gesundheit, Wohnen oder andere Themen gehe – das sei die Idee, sagte Kaufmann. Zur dauerhaften Etablierung hauptamtlicher Strukturen auf dem Land müssten aber entsprechende Förderinstrumente geschaffen werden. Katrin Göring-Eckardt kann sich auch vorstellen, eine Prämie einzuführen für Menschen, die aufs Land ziehen, dort im Ortskern ein Haus übernehmen und es sanieren.

Man müsse dem Trend, dass immer mehr in die Städte ziehen, etwas entgegensetzen und dafür Anreize schaffen, indem mit neuen Ideen eine gute Infrastruktur angeboten werde.

Es funktioniere aber nur, wenn sich auch die Menschen und Betriebe auf den Dörfern selbst für eine gute Gemeinschaft engagieren – so wie in Kirchheilingen.

Klaus Wuggazer / 09.09.18