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Junge Leute laden in altes Gutshaus von Tottleben

(Bericht der Thüringer Allgemeinen vom 11. März 2019 von Susann Salzmann)

Mitstreiter des Kinder- und Jugendparlamentes Seltenrain haben ihre Region in Bildern festgehalten. Ausstellung soll wandern.

Leoni Eckardt (links) und Charlotte Gißke zeigen und erklären den Besuchern im Tottlebener Gutshaus, was es mit den Ansichten auf sich hat. Im Hintergrund sind „Tapeten“ zu sehen, die die Geschichte und potenzielle Zukunft des Gutes in den Blick nehmen. Foto: Susann Salzmann

Leoni Eckardt (links) und Charlotte Gißke zeigen und erklären den Besuchern im Tottlebener Gutshaus, was es mit den Ansichten auf sich hat. Im Hintergrund sind „Tapeten“ zu sehen, die die Geschichte und potenzielle Zukunft des Gutes in den Blick nehmen. Foto: Susann Salzmann

Tottleben. In die Jahre gekommen und doch zum zentralen Blickpunkt geworden ist das Tottlebener Gutshaus. In dem alten Gemäuer mit tapetenüberzogenen oder blanken Lehmwänden und einer steinigen, steilen Treppe mit dem bemoosten Geländer, die zum Innersten hinaufführt, sind rund 25 Ausstellungsexemplare eingezogen.

 

Die Mitstreiter des Kinder- und Jugendparlamentes Seltenrain haben ihre Region für die Ewigkeit festgehalten. So hängen im Gutshaus mit seiner wechselvollen Geschichte Landschaftsbilder. Fotos von alten Eichen. Ansichten von Ortskernen, die einen Blick auf romantische enge Gässchen oder aber abrissreife Gebäude zeigen.

 

Der Hintergrund dieser Idee ist simpel: Die jungen Leute in ihren kleinen Orten sollten ihre Wahrnehmung von ihren Heimatorten aufs Bild bannen. Insgesamt 30 Wegwerfkameras wurden dazu von der Stiftung „Landleben“ vor gut zwei Jahren verteilt. Finanziert über die Stiftung. Nur die Rücklaufquote stimmt etwa nachdenklich. Frank Baumgarten von der Stiftung hat zehn Mitstreiter registriert, die sich an der experimentellen Idee, jugendliche Vorstellungen und Wahrnehmungen mit den Ansichten der älteren Einwohner und vor allem der Kommunalpolitiker zu verknüpfen, versuchten.

 

Die Bilder sollen berühren. Bei Christa Mörstedt verursachen sie genau das. „Diesen Brunnen zum Beispiel habe ich noch nie so wahrgenommen“, zeigt die Tottlebenerin auf ein Bild, das einen Brunnen mit einer Überdachung zeigt. „Der steht in Kirchheilingen“, erklärt René Losse der Seniorin. Der 18-Jährige sieht sich momentan als jugendlicher Leiter des Kinder- und Jugendrates. Auch er war für das Projekt in seiner Heimatstadt Sundhausen unterwegs. In der Frage, wie Jugendliche ihre Stadt sehen, zeigt er auf eine uralte, riesige Eiche. Sie liege zentral im Dorfmittelpunkt. Am Anger. „In der Nähe ist unser Gemeindehaus, die einstige Gemeindeschenke mit Saal, und früher war hier auch ein Lädchen, der jetzt leider leer steht“, zählt der Sundhäuser Erinnerungen auf, die er mit diesem Motiv verbindet.

Wer sich die Fotos anschaut, sieht sehr viele Landschaftsbilder. Das, was die Jugendlichen knippsten, sind insbesondere die schönen Ecken in ihren sechs Heimatdörfern.

Lucas Gißke aus Tottleben trat dem Parlament erst nach der Fotoaktion bei. Er mache sich grundsätzlich für gemeinnützige Angelegenheiten stark und möchte sich als junger Mensch auch für die Belange seines rund 150-Seelen-Ortes engagieren. Ein fest etabliertes Lädchen für Sachen des täglichen Bedarfes wünscht er sich für Tottleben . Durch seine 16-jährige Schwester Charlotte ist er auf das Projekt aufmerksam geworden. Sie fotografiert Tottleben im Sonnenuntergang. Die schöne Seite ihres Heimatortes. Man schätze die ländliche Idylle. Aber, hakt ihr Bruder ein, ein Jugendclub für die kleine Gemeinde wäre wünschenswert. Nachdem der Jugendclub zum Männertag 2018 abgebrannt worden war, soll nun ein neuer nahe des alten Standortes entstehen.

Reichlich erwachsen treten die jungen Menschen auf. „Durch die Zusammenarbeit kleinerer Orte können größere Projekte umgesetzt werden“, reagiert die 16-jährige Leoni Eckardt. Sie führt in die untere Etage des Gutshauses, das die junge Generation nur als Ruine kennt. Plakate zeigen, wofür das Gutshaus einst genutzt wurde. Dass es Berufsschule, Arztpraxis und Hort war, kristallisiert sich für die jungen Leute als Überraschung heraus.

Wie es nun weitergeht? Das wollen die Jugendlichen in Gesprächen erörtern. Der erste Schritt ist aber gemacht: Der ortsübergreifende Kontakt unter den Jugendlichen ist zustande gekommen. Ein Aushängeschild – da sind sich Jugendliche und Erwachsene einig – könnte das Gutshaus werden. Es befindet sich in Hand einer Stiftung. Zeitnah sehe sich ein Gutachter das Objekt an und beurteile, inwieweit es sanierungsfähig ist.

Die Bilder aber wandern weiter. Nächster Halt: Voraussichtlich der ehemalige Lokschuppen in Kirchheiligen.

Susann Salzmann / 11.03.19